April 2020. Jennifer Morgen ist bei SAP als Co-CEO gegangen worden. An dieser Stelle: Schade! Ohne die möglicherweise wirklichen Gründe zu kennen oder beleuchten zu wollen: der Weggang der ersten Frau in der Rolle der (Co-) CEO eines DAX Konzerns nach nur 6 Monaten hat eine verheerende Wirkung auf das Thema gleichberechtigte Teilhabe von Frauen Top-Positionen. Insbesondere wenn die Botschaft ist: Krise? Zeit für eine starke -männliche- Gallionsfigur! Irritierend, dass sich SAP dieser Verantwortung scheinbar nicht bewusst sein will, nachdem man sich vor 6 Monaten medial noch (fast unangenehm) für diese weibliche Besetzung hat feiern lassen.

Eine ähnliche Dissonanz ergibt sich beim öffentlichen Umgang mit dem Thema Jobsharing: Jennifer Morgan und Christian Klein wurden von Beginn an als Top Beispiel für Jobsharing bzw. Co-Leadership verkauft. Als Teil einer riesigen Co-Leadership PR Kampagne, die bei gerade einmal rund 15 internen Tandems ebenfalls überdimensioniert wirkt. Doch Jennifer Morgan und Christian Klein waren nie ein wirkliches Jobsharing, das wird spätestens jetzt klar. Hier folgen 3 Gründe.

  1. Das Tandem war nie auf Langfristigkeit angelegt: Das suggeriert die Pressemitteilung deutlich. Die Entscheidung, zum Ein-Personen Modell zurückzukehren, sei in der Krise einfach früher gefallen als geplant. Aber: Jobsharing ist fast immer ein Commitment auf längere Zeit, es sei denn es ist mit klarer Zielvorgabe (etwa gezieltem Wissenstransfer von Zeitpunkt A bis Zeitpunkt B) als Modell auf Zeit deutlich für alle Beteiligten gekennzeichnet. Und alle Beteiligten heißt in diesem Fall auch die Öffentlichkeit, der man das Modell als ein Top Beispiel für Jobsharing präsentierte. Dass sich der Kontext und die Situation eines Tandems ändern- und es sich damit auch wieder auflösen kann ist selbsterklärend, doch wenn es von Beginn an eine andere Intention gab, sprechen wir nicht von Jobsharing.
  2. Konkurrenz statt Kollaboration: Ein Modell auf Zeit, in dem sich am Ende nur eine/r durchsetzen wird, fördert Konkurrenz – keine Kollaboration. Und in Kollaboration werden Entscheidungen zu zweit robuster und das Tandem im Sparring flexibler und wendiger. Das belegt zum einen unsere großangelegte Jobsharing Studie (an der auch SAP teilnahm) und zum anderen das aktuelle positive Feedback aus unserer Tandem Community jetzt in der Corona Krise. Die Arbeit als Tandem ist in Krisenzeiten also eine Stärke – keine Schwäche.
  3. Das Tandem war fremdbestimmt. Ein weiteres Kernergebnis unserer Studie: Tandems, die wie zwei Seil-Enden von dritter Hand verknotet werden, scheitern häufig und sind oft unzufrieden im Modell. Vor 6 Monaten hatte laut dem Spiegel „Aufsichtsratschef und Firmenmitgründer Hasso Plattner […] Jennifer Morgan und Christian Klein spontan nach Kalifornien einfliegen lassen, ihnen erklärt, dass man sich von Konzernchef Bill McDermot trennen werde. Er bat sie, das Steuer zu übernehmen. Beide waren überrascht, doch man sagt nicht Nein zu Hasso Plattner.“ Eigeninitiative in Richtung Jobsharing oder proaktives Matching spielten demnach keine Rolle. Ein fataler Start.

Der Erfolg von Unternehmen mit wesentlich mehr Jobsharern als SAP zeigt, dass es absolut möglich ist, Jobsharing als gewinnbringendes Arbeitsmodell in der Unternehmens DNA zu verankern. Doch das funktioniert nicht durch übereilte PR- Stunts in denen man eine konkurrierende Doppelspitze zum Top Beispiel für Jobsharing erklärt. Das schadet dem Modell, wie in diesem Fall, mittelfristig leider mehr als dass es ihm nützt.
Eine erfolgreiche Einführung von Jobsharing startet bei einer ehrlichen Auseinandersetzung damit, was Jobsharing ist und was es nicht ist. Sie funktioniert nur durch den kontinuierlichen Einsatz von internen Jobsharing-ExpertInnen, überzeugten Führungskräften und engagierten JobsharerInnen. Und bis dahin sollte die Devise gelten: Tue erst Gutes und rede dann darüber. In dieser Reihenfolge.

Übrigens: als größte Hürde für die Umsetzung von Jobsharing werden von Tandems kratzbürstige ERP-Systeme genannt, in denen etwa nicht zwei Menschen mit entsprechenden gleichen Berechtigungen angelegt werden können. Den größten positiven Impact in Sachen Jobsharing würde SAP also erbringen, wenn es als Marktführer ihr ERP-System endlich Jobsharing- tauglich anpasst.