Jobsharing hat sich in der Corona Pandemie als Arbeitsmodell bewährt. Arbeitnehmer*innen in Führungspositionen, die sich ihre Aufgaben teilen, haben positive Erfahrungen gemacht: Die Arbeit im Tandem hat ihnen die Bewältigung der vielen Unsicherheiten und die Organisation der Arbeit während des Lockdowns erleichtert. Dies zeigt eine Online-Umfrage von Martin Krzywdzinski vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) und Svenja Christen vom Jobsharing Hub.

Seit dem Lockdown während der Corona-Krise wird in Medien und Gesellschaft über Arbeitsmodelle diskutiert. Was kann die Erwerbsarbeit krisenfester machen? Wie lassen sich Familie und Karriere vereinbaren? Wie kann gute Führung unter Corona-Bedingungen gelingen? Jobsharing ist ein Arbeitsmodell, dass in der Krise gut funktioniert hat. Meist teilen sich dabei Führungs- oder Fachkräfte einen Arbeitsplatz. Die gerade veröffentlichte Studie, für die 55 Jobsharer*innen befragt wurden, ergänzt die 2019 erschienene umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung des Arbeitsmodells.

Die Ergebnisse der aktuellen Online-Umfrage:

  1. Jobsharing hilft in schwierigen Entscheidungssituationen: 87 Prozent der Befragten berichteten, dass die Arbeit im Jobsharing die Bewältigung der neuen Komplexität und Unsicherheit während der Corona-Krise „viel leichter“ oder „eher leichter“ gemacht habe.
  2. Jobsharer*innen fühlten sich in der Corona-Krise besser gewappnet: Für 72 Prozent der Befragten „trifft es vollkommen“ oder „eher zu“, dass sie durch das Jobsharing ihre Fähigkeiten wie Kommunikation, Arbeitsorganisation und Umgang mit Flexibilitätsanforderungen steigern konnten und diese ihnen nun helfen, die neue Arbeitssituation im Lockdown besser zu managen.
  3. Das Arbeitsaufkommen während der Pandemie wurde besser bewältigt: 76 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Jobsharing bei der Bewältigung der gestiegenen Aufgabenfülle und Arbeitsbelastung während der Corona-Krise helfe.
  4. Arbeit im Tandem verbessert den Kontakt im Team: Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass Jobsharing die Kommunikation mit Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen und Vorgesetzten erleichtert habe.
  5. Jobsharing erweist sich als Stütze für das Familienleben: Fast alle befragten Führungskräfte haben Kinder. Das Jobsharing ermöglichte es, die Arbeitstage abzudecken und zugleich mehr Zeit für die Betreuung von Kindern zur Verfügung zu haben. Das sehen 64 Prozent der Befragten so.

„Jobsharing erlaubt, kurzfristig die Arbeitsaufteilung anzupassen, die eigenen Arbeitszeiten zu variieren und zugleich als Tandem den Arbeitsanforderungen weiterhin gerecht zu werden“, skizziert WZB-Wissenschaftler Martin Krzywdzinski die Vorteile des Jobsharings während der Krise. Svenja Christen macht deutlich: „Der Mehrwert des Jobsharing liegt nicht nur in der Flexibilität der Arbeitszeitmodelle und der Verbesserung der Work-Life-Balance. Die Besetzung von anspruchsvollen und komplexen Positionen im Jobsharing schärft die Arbeitsqualität, insbesondere bei Turbulenzen und Unsicherheiten wie in der COVID-19-Krise. Das ist ein entscheidender strategischer Vorteil für Unternehmen. Doch sie äußert sich auch kritisch: „Viele Unternehmen sehen Jobsharing als Frauen-Modell, eine prima Lösung wie Frauen Haushalt, Kinderbetreuung und Karriere endlich miteinander verbinden können. Und tatsächlich sind zurzeit 96 Prozent der praktizierenden Jobsharer weiblich. Für mich spiegelt die Zahl viel Mut und Ehrgeiz der Frauen wider, aber vor allem auch eine bestehende Geschlechterungerechtigkeit. Dem gilt es aktiv entgegenzuwirken. Sprich: nicht nur Frauen, sondern vor allem Männer sollten gezielt angesprochen und zur Arbeit im Jobsharing ermutigt werden.“

Infos zur Studie:

Alle befragten Jobsharer*innen haben schon vor der Krise im Tandem gearbeitet. Ihre Arbeitszeit beträgt 20 bis 30 Wochenstunden. Unter den Befragten sind 48 Frauen (96%) und zwei Männer (4%) – 5 haben ihr Geschlecht nicht angegeben, so dass sich die Angaben auf die restlichen 50 Personen beziehen. 28% arbeiten in einer Fachfunktion (ohne Personalverantwortung), 40% als Teamleiter*innen, 24% als Abteilungsleiter*innen und 8% sind Bereichsleiter*innen. Bei drei Viertel der Befragten handelt es sich um Führungskräfte mit Fachfunktionen, bei einem Viertel um Experten und Fachpositionen. Unter den Führungskräften dominierte das Modell einer starken Überschneidung der Verantwortungsbereiche zwischen den Jobsharer*innen.

Die Studie: Martin Krzywdzinski, Svenja Christen: „Im Tandem durch die Krise: Arbeit während der COVID-19-Pandemie“ ist als Discussion Paper (SP III 2020–303) erschienen.

Hier könnt ihr das ganze Paper runterladen.

Prof. Dr. Martin Krzywdzinski ist Leiter der Forschungsgruppe Globalisierung, Arbeit und Produktion am WZB.

Svenja Christen ist Arbeitspsychologin und Geschäftsführerin der spezialisierten Jobsharing-Beratung „the jobsharing hub“